Das kleinste Land der Welt

Blick über das kleinste Land der Welt

Vatikanstadt ist das päpstliche Staatsgebiet am rechten Ufer des Tibers mitten in Rom. Das Gebiet von Vatikanstadt umfasst gerade mal 0,44 Quadratkilometer. Tatsächlich handelt es sich beim Vatikan um einen eigenständigen Staat mit dem Papst als Staatsoberhaupt. Der Vatikan wurde im Jahr 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, und das vollkommen zu Recht. Denn das kleinste Land der Welt ist gleichzeitig ein Hort von Schätzen aus Gold und anderen wertvollen Materialien. Die historisch bedeutsamen Schätze befinden sich zu großen Teilen in den Vatikanischen Museen wie dem Tesoro san Pietro, die öffentlich zugänglich sind. Einen großen geistigen Schatz beherbergt die Apostolische Bibliothek. Der Vatikan ist der einzige Staat der Welt, dessen gesamtes Territorium unter den Schutz der UNESCO gestellt wurde.

Das kleinste Land der Welt und seine vielen Institutionen

Der Vatikan ist ein Staat mit vielen, durchaus weltlich anmutenden Institutionen. Die Staatsform wird als absolute Wahlmonarchie bezeichnet. Außergewöhnlich ist hier auch das Zeremoniell der Wahl. Wurde ein neuer Papst gewählt, steigt weißer Rauch vom Vatikan auf und es wird das „habemus papam“ verkündet. In Vatikanstadt leben nicht mal 1000 Leute und gesprochen wird Lateinisch und Italienisch. Das Bürgerrecht im Vatikan ist an den Wohnsitz und die innerhalb der katholischen Kirche ausgeübte Funktion geknüpft. Die vatikanische Staatsbürgerschaft wird immer nur auf Zeit verliehen.

Neben dem Papst und seinen engsten Mitarbeitern und Hausangestellten leben im kleinsten Land der Welt Priester und Leiter der römischen Kurie, die Schweizergarde und das Gendameriekorps sowie Wissenschaftler der päpstlichen Universität und die Herausgeber von Radio Vatikan. Der päpstliche Staat unterhält zu mehr als 160 Staaten diplomatische Beziehungen. Neben den Wohnstätten für die Bewohner befinden sich hier auch wissenschaftliche Einrichtungen, ein Post- und Telegrafenamt, einen Bahnhof, die Vatikanbank, der Friedhof Campo Santo Teutonico nebst Palazzo und Audienzhalle, eine Gärtnerei und eine eigene Druckerei, welche die Briefmarken des Vatikans druckt. Die Rundfunkanstalt Radio Vatikan sendet von diesem einzigartigen Zwergstaat aus ihre Botschaften in insgesamt 37 Sprachen in die ganze Welt.

Eine ganz einzigartige Anlage

Seit dem 16. und 17. Jahrhundert ist das kleinste Land der Welt an drei Seiten befestigt. Die vierte Seite wird durch den Petersplatz und den Petersdom nach außen geöffnet, die beide öffentlich zugänglich sind. Wer nach Rom reist, darf sich den Besuch von Petersplatz, Petersdom und den Vatikanischen Museen keinesfalls entgehen lassen, denn die hier beherbergten Kunstwerke in ihrer Fülle und Qualität wird man an einem einzigen Ort so nie wieder zu sehen bekommen.

Neben den genannten Bauwerken befinden sich auf dem Gelände des Vatikans der Apostolische Palast, der Borgia Turm, die Sixtinische Kapelle, die Pinakothek, das Casino de Belvedere, der Turm der Winde und die Apostolische Bibliothek, die allesamt zum Komplex der Vatikanischen Museen gehören. Weitere prachtvolle Bauten wie den Govematoratspalast, das Äthiopische Kolleg, das Kloster Mater Ecclesia oder die Kasina Pio IV., die päpstliche Akademie der Wissenschaften, und die ausgedehnten päpstlichen Gärten bekommen nur die wenigsten Sterblichen zu sehen.

Allerdings hat der Vatikan fast 3000 Angestellte, die nicht in Vatikanstadt wohnen. So ist diese einzigartige Anlage doch auch für einige normale Menschen zugänglich. Zum Vatikan gehören zudem exterritoriale Gebäude. Der Vatikan verfügt über beträchtlichen Immobilienbesitz und ist ganz weltlicher Teilhaber zahlreicher Unternehmen.

Die Geschichte der Vatikanstadt

Bis ins 14. Jahrhundert residierten die Päpste im kleinsten Land der Welt im fünf Kilometer entfernten Lateranspalast. Auf dem mons vaticanus hatte in der Antike Kaiser Caligula einen Zirkus errichten lassen, indem Juden und Christen öffentlich hingerichtet worden sein sollen. Kaiser Nero fügte später einen Palast hinzu. In der Nähe befand sich zudem ein kleiner Friedhof, auf dem angeblich Apostel Petrus begraben war. Hier ließ im 4. Jahrhundert der christliche Kaiser Konstantin eine erste Peterskirche errichten, die schnell zum Wallfahrtsort der Petersverehrung wurde.

Rund um die Kirche entstanden immer mehr Gebäude, Kapellen und Friedhöfe für Wallfahrer aus aller Herren Länder und bald auch erste Wehranlagen. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde der Vatikanische Hügel schließlich Sitz des Papstes und damit Zentrum des Kirchenstaates. Vor allem Papst Nikolaus V. ließ im 15. Jahrhundert gewaltige Baupläne erstellen, die noch von seinen Nachfolgern umgesetzt wurden. Papst Julius II. gründete schließlich die Dombauhütte von St. Peter und plante den kostenintensiven Neubau des Petersdoms, der bekanntermaßen aus dem Ablasshandel finanziert wurde.

Im Jahr 1589 ließ Papst Sixtus V. den Apostolischen Palast bauen. In den folgenden Jahrhunderten wirkten zahlreiche berühmte Baumeister wie Raffael Santi, Michelangelo und Gian Lorenzo Bernini am Bau der größten Kirche der Welt mit. Der Bildhauer und Architekt Bernini legte auch den Petersplatz mit seinen Kolonnaden an. Vollendet und eingeweiht wurde die gewaltige Grabkirche des Apostels Petrus im Jahr 1626. In der prächtigen, mit viel Gold verzierten Halle des Doms steht der Mensch klein und verloren wie einst in einem mächtigen antiken Tempel. Im 17. Jahrhundert vollendete man schließlich auch die Befestigung der Vatikanstadt.

Schätze so weit das Auge blickt

Wer die Vatikanischen Museen betritt, ist von Anfang an überwältigt von der hier angehäuften Pracht. Das kleinste Land der Welt zeigt Schätze so weit das Auge blickt. Hier befinden sich zahlreiche Kunstwerke von Weltrang wie das Fresko „Die Schule von Athen“ von Raffael aus dem Jahren 1510 und 1511 oder die beeindruckende antike Plastik der Laokoon-Gruppe, von der schon der römische Historiker und Gelehrte Plinius der Ältere lobend berichtet hat. Allein diese Skulptur schrieb Kunstgeschichte. Es handelt sich dabei um die einzige erhaltene Kopie eines großartigen Kunstwerkes der griechischen Bildhauer Polydoros, Hagesandros und Athanadoros, die im 2. vorchristlichen Jahrhundert auf der Insel Rhodos gestanden hat.

Die Marmorkopie der Laokoon-Gruppe wurde erst im frühen 16. Jahrhundert in den Ruinen des Goldenen Hauses von Kaiser Nero in Rom wiederentdeckt. Zutiefst beeindruckend sind natürlich auch die reichen Fresken verschiedener Maler und insbesondere die Decke der Sixtinischen Kapelle. Hier malte Michelangelo Sequenzen aus der Genesis mit der berühmten Szene die „Erschaffung Adams“, in der Gott Adam zum Leben erweckt. Das monumentale Deckengemälde wurde erst Ende des 20. Jahrhundert aufwendig restauriert und erstrahlt nun in aller Frische. Die Felder mit biblischen und antiken mythologischen Motiven werden von goldenen Medaillons flankiert, die einst Michelangelos Assistenten erschufen.

Und noch mehr Kunstschätze

Die Vatikanischen Museen umfassen insgesamt acht Museen und Sammlungen und mehrere Bauwerke wie die Sixtinische Kapelle oder die Loggien und Stanzen der Raffael. Auch die Vatikanische Bibliothek mit ihren wertvollen Handschriften und Codices, deren Sammlungsgeschichte bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht, ist als Bau ein einzigartiges Kunstwerk mit goldverzierten Gewölbedecken.

In der Pinakothek befinden sich Werke von Tizian, Leonardo da Vinci, Carvaggio und vielen weiteren Meistern. Die Antikensammlung des Vatikan kann es ohne weiteres mit dem römischen oder dem Athener Nationalmuseum aufnehmen. Die christlichen Kunstwerke wie beispielsweise spätantike Sarkophage im Museo Pio Cristiano oder die ethnographischen Kunstwerke sind weltweit ebenso einmalig. All diese Schätze können hier nur erwähnt werden und um sie alle zu betrachten, müsste man mehrere Wochen in den heiligen Halle der Museen verbringen. Ein einziger Besuch vermittelt einem allenfalls eine Ahnung von der hier angesammelten Pracht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.